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Blick auf Mainz vom Wiesbadener Rheinufer
Startseite  >  Fachvorträge beim Bachpatenfest
19.05.2012 | Festveranstaltung in Mainz

Fachvorträge beim Bachpatenfest

Win. "Bachpatinnen und Bachpaten leisten auch einen wertvollen Beitrag zur Umweltbildung. Das zeigen die vielen Bachpatenschaften an Schulen, wo Kinder und Jugendliche bei Gewässeruntersuchungen, kleinen Experimenten und Anpflanzungen von Ufergehölzen den Lebensraum Fluss und Bach kennen und schätzen lernen", erläuterte Umweltministerin Höfken in ihrer Begrüßungsansprache beim Bachpatenfest in Mainz. Ebenso wie die Kinder und Jugendlichen sind auch erwachsene Bachpaten an neuen Erkenntnissen interessiert. Diese konnten am Ende des Bachpatenfestes am 19. Mai 2012 im Schlossgarten des Mainzer Schlosses im Rahmen einer Vortragsveranstaltung gewonnen werden.

Landesamt-Präsident Dr. Stefan Hill bedankt sich für den Vortrag seines Fachreferenten Dr. Jochen Fischer
"Je unordentlicher ein Gewässer wirkt, desto mehr Lebensraum bietet es." erläuterte Dr. Thomas Paulus von der Gemeinnützigen Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GfG) bei seinem Fachvortrag. Er war der letzte Referent in der Vortragsveranstaltung. Die Präsentationen sollen den ehrenamtlich engagierten Bachpaten weitere Anregungen zu geeigneten Verbesserungsmaßnahmen an den Gewässern liefern. Eifrig schrieben viele Anwesende die neu gewonnene Informationen mit, um sie vor Ort zu diskutieren oder im Idealfall auch direkt in die Praxis umzusetzen.

Nach der Begrüßung durch Umweltministerin Ulrike Höfken stellten viele der eingeladenen Bachpaten eigene Projekte vor und tauschten sich mit anderen aus. Bei sommerlichen Temperaturen bot der Schlossgarten in Mainz ein würdiges Ambiente für die Festveranstaltung. Ministerin Höfken ehrte besonders verdiente und langjährige Bachpatenschaften und nutzte die Gelegenheit zu intensiven Gesprächen. Hier boten die Informationsstände, die von den Bachpaten in mühevoller Handarbeit kunstvoll gestaltet wurden, ideale Ansatzpunkte. "Die Dekorationsvielfalt bei den Ausstellungstafeln spiegelt die zahlreichen Möglichkeiten der Gestaltung von Bächen und kleineren Flüssen wider." waren sich die Fachleute einig. Für beste Unterhaltung n den Morgenstunden sorgte die Wassermusik auf Kristallgläsern von Musikal-Clownin Josephine. Nach den Ehrungen und dem Rundgang durch die Info-Ausstellungen stärkten sich die Gäste mit einem Imbiss.

Die Umweltministerin im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern, die als Bachpaten einen Beitrag zum Gewässerschutz leistenWeitgereiste Bachpaten sowie Kinder aus Kindergärten und Schulen traten danach meist den Heimweg an, während sich viele Erwachsene noch in der Fachveranstaltung am Nachmittag umfassend informierten. Diese wurde von Dr. Stefan Hill, dem Präsidenten des Landesamtes, moderiert. Er dankte den Bachpaten für ihr enormes Engagement und stellte eine weitere Bedeutung ihrer Bachpatenschaften dar: "Sie als Bachpaten betreiben nicht nur Gewässerschutz, sondern tragen auch zum Artenschutz und der Artenvielfalt bei." Tatsächlich hat die Artenvielfalt in Rheinland-Pfalz erheblich zugenommen. Während Mitte des letzten Jahrhunderts beispielsweise über die Hälfte der Fischarten im Rhein nicht mehr vorkam, sind mittlerweile alle aus dem Jahr 1890 bekannten Fische dort wieder heimisch. Neben den Fischen wuchsen auch die Bestände der Krebse, Muscheltiere und Kleinstlebewesen an. Einige davon konnten bereits am Vormittag am Mikroskop beobachtet werden. Einen weitreichenden Überblick über die Bewohner der rheinland-pfälzischen Gewässer vermittelte Thomas Oswald von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in seinem Fachvortrag "Fische, Muscheln und Krebse in Rheinland-Pfalz". Er betonte dabei insbesondere, wie wichtig die Durchlässigkeit von Fließgewässern für die Wasserlebewesen ist. Dabei wurden beeindruckende Strecken, welche die Fische absolvieren, aufgezeigt. So legen Barben häufig mehr als 300 Flusskilometer zurück. Der Atlantische Aal überquert sogar die Nordsee und den Atlantik um in Kuba zu laichen. Der Nachwuchs läßt sich daraufhin über Monate oder sogar Jahre hinweg mit dem Golfstrom in die Nordsee und den Rhein zurücktreiben.

Der Europäische Aal ist mittlerweile das "Sorgenkind unter den Fischarten", da er besonders gerne von dem Parasiten Schwimmblasenwurm genutzt wird. Bei dem spezifischen Aalparasit handelt es sich um einen Fadenwurm, der zu Beginn der 80er Jahre aus Ostasien eingeschleppt wurde. Bei der Abwanderung in Richtung Meer werden die so genannten Blankaale aufgrund ihrer großen Körperlänge in den Turbinen von Wasserkraftanlagen oft verletzt oder getötet. Müssen viele Wehranlagen mit Wasserkraftnutzung auf dem Weg zum Meer überwunden werden, kann sich die Ausgangspopulation auf wenige überlebende Individuen reduzieren. Zum Schutz der akut bedrohten Aale hat die EU-Kommission im Jahre 2007 sogar eine eigene Verordnung erlassen, in der die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, gezielt Aal-Managementpläne zu erstellen, um die dramatisch sinkenden Bestände zu retten.

Umweltministerin Ulrike Höfken informiert sich bei Dr. Fischer am Präsentationsstand des LandesamtesDr. Jochen Fischer vom Landesamt erklärte die "Ökologische Bewertung von Bächen und Flüssen" in seinem Vortrag. Dargestellt wurde, dass in Rheinland-Pfalz die Anzahl der Gewässer, die als "gut" oder "sehr gut" in der Gewässergüte eingestuft sind, dreimal höher als der Bundesdurchschnitt liegt. Diese außergewöhnliche Qualität hat oftmals natürliche Ursachen. So liegen viele Bäche innerhalb der großen Waldgebiete. Diese haben von Natur aus ideale Bedingungen. In seinem Vortrag wies Dr. Fischer auf einige Besonderheiten gegenüber Altbewertungen hin. So kann ein Fluss heute schlechter eingestuft werden als zuvor, obwohl sich die Wasserqualität verbessert hat. Die Ursache hierfür bilden weitere Kriterien, die in die Bewertung einfließen. So werden unter dem Faktor "Durchgängigkeit" nicht nur die Durchgängigkeit in der Länge des Wasserlaufes begutachtet. Wichtig ist auch die Durchgängkeit an den Ufergebieten sowie der Sohle. "Ein hochwertiges Gewässer ist flach, breit und hat eine 80 Zentimeter bis einen Meter tiefe nutzbare Sohle." erklärte Dr. Paulus abschließend. Größere Gewässer sollten aus Sicht der Gewässerexperten auch unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten haben, damit der Lebensraum vielfältig genutzt werden kann. Bei strahlendem Sommerwetter endete gut gesättigt von Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie um einige Erfahrungen reicher am späten Nachmittag auch für die Besucher der Fachvorträge das Bachpatenfest.

Weitere Informationen über die Veranstaltung sowie die vorgenommenen Ehrungen finden Sie auf der Homepage des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten.

Moderator Dr. Stefan HillDr. Fischer erklärt in seinem Vortrag die Bewertungskriterien für die GewässergüteThomas Oswald von der Struktur- und Genehmigungsdirektion SüdDr. Thomas Paulus (GfG)Dr. Thomas Paulus von der GfG erklärt anschaulich die GewässerdurchgängigkeitDr. Hill bedankt sich bei Teilnehmern und Helfern für die gelungene VortragsveranstaltungGäste der FachveranstaltungAuch die ansprechende Dekoration luden zum Verweilen einEine weitere Möglichkeit seine Tätigkeit zu präsentierenBachpatenschaft-InformationenKinder erklären ihre Projekte